Chor ohne Gesang

Interview mit Petra Mayer-Kletzin, Leiterin der Chor- und Musikgruppe „Die Roten Socken“


Petra Mayer-Kletzin

Wann war die letzte Probe? Habt ihr es mal mit einer Online-Probe oder einem Online-Auftritt versucht?
Nach meinen Aufzeichnungen war am 3. März die letzte Chorprobe für dieses Jahr - danach kam der Lock-Down - nichts ging mehr. Wir hatten dann später einen Versuch unternommen, einen online-Stammtisch der roten Socken hinzubekommen, was aber nicht gelang. Die Hoffnung war dann, dass wir im Sommer draußen zusammentreffen könnten, um den Kontakt zueinander nicht zu verlieren. Aber auch hier war Corona der ausschlaggebende Punkt, dass wir aus Rücksicht auf die Gesundheit aller Sängerinnen und Sänger auf ein Treffen verzichteten. Ein Online-Auftritt verlangt große Disziplin und die Möglichkeit, dass jeder technisch entsprechend ausgestattet ist – deshalb wäre auch das nicht machbar gewesen.

Ihr probt im Bunten Haus in Offenburg. Warum dieser Name, warum gerade dieser Ort?
Das Bunte Haus beherbergt unter anderem einen Hort für Kinder, die aus verschiedenen Gründen Betreuung nach der Schule brauchen. Eine soziale Einrichtung, die heute auch in die städtischen Institutionen eingegliedert ist. Über die Stadt kam der Kontakt zustande, und weil wir mit den Bedingungen einverstanden waren (Beteiligung im Winter an Nebenkosten und Bereitschaft, bei Festen das Kuchenbuffet zu bereichern oder personell zu unterstützen), erhielten wir einen Schlüssel und konnten fortan den Raum nutzen. Der Platz war ausreichend für alle  - vor Corona. Ein weiterer Punkt war die zentrale Lage – für alle war es ungefähr gleich weit entfernt. Die Sängerinnen und Sänger haben mitunter einen weiten Anfahrtsweg.

Wer ist für das Repertoire verantwortlich? Wie kommt es zustande?
Für das Repertoire zeichnen im Wesentlichen Helmut Lind und ich als Team verantwortlich – allerdings sind alle auch immer aufgefordert, zu bewerten, ob das Stück passt und können auch Vorschläge unterbreiten.

Welche Lieder waren bisher besonders gefragt? Stimmt es, du wolltest vor Corona auch die Marseillaise einstudieren?
Wir hatten uns zum Ziel gesetzt, Arbeiterlieder, Friedenslieder und auch anderes in diesem Rahmen passendes Liedgut (schon mit politischem Charakter) aufzugreifen und als Chor umzusetzen.  Längst vergessene Arbeiterlieder oder Lieder, die in früheren Zeit aus Arbeiterprotesten entstanden sind, kam beim Publikum gut an. Auch Lieder, die bei besonderen Anlässen in der SPD gesungen wurden – zum Beispiel „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“ oder „Wann wir schreiten Seit‘ an Seit‘“ - bilden den Auftakt oder Schlusspunkt eines jeden Auftritts. Weil wir sehr nahe an der französischen Grenze leben, wäre die „Marseillaise“ ein weiteres, neues Stück geworden. Leider mussten wir die Proben einstellen – die Corona-Vorschriften machten unsere Arbeit zunichte.

Kann der Chor gebucht werden? Wie teuer ist ein Auftritt?Weil wir alles ehrenamtlich machen, haben wir auch kein Honorar eingefordert. Wir hatten unser „Rotes Schweinderl“ dabei, und der Veranstalter konnte von sich aus entscheiden, was ihm unser Auftritt wert war. So wollen wir es auch weiterhin handhaben. Von den Spenden hatten wir schon die eine oder andere Fortbildung bezahlt. Oder für das letzte Sommertreffen eine Runde im Biergarten.

Welcher Auftritt war für dich der schönste,  der schwierigste, der interessanteste, der einprägsamste?
Das kann ich gar nicht sagen – wir hatten so viele Auftritte, die allen Spaß gemacht haben und die allen bestimmt in Erinnerung geblieben sind. Ob in Stuttgart beim Sommerfest der Landtagsfraktion, bei vielen Jubiläen der Ortsvereine in der gesamten Ortenau oder in der näheren Umgebung. Viele hat es erstaunt, dass es tatsächlich einen SPD Chor in unserem Kreis gibt – und ich finden, wir waren ganz gut in dem, was wir vorbrachten. Ein wenig Lampenfieber war schon auch dabei – aber nichts, womit wir nicht fertig geworden sind.

Wie könnte es weitergehen?
Das hängt von der Corona Entwicklung ab. Im Freien zu proben, ist extrem schwierig. Ich hoffe, dass wir im kommenden Jahr die Proben wieder aufnehmen können.

Wer kann bei den Roten Socken mitmachen?
Mitmachen kann jeder, der Lust hat, eine nette Gemeinschaft zu erleben und zu singen. Es braucht keine Kenntnisse – die können wir vermitteln – nur die Lust am Tun. 

E-Mail an die Chorleitung der Roten Socken

 

Die Roten Socken bei der Jubiläumsfeier "100 Jahre Arbeiterwohlfahrt" 2019 in Zell a. H.

 

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